Die wichtigsten Fakten in Kürze
- Team Malizia ist die deutsche Offshore-Mannschaft um Boris Herrmann mit klarem Fokus auf Leistungssport, Innovation und Klimabezug.
- Bei The Ocean Race 2022-23 holte das Team den 3. Platz in der Gesamtwertung und gewann zwei Etappen.
- 2025 startete Malizia erstmals bei The Ocean Race Europe, mit Beginn in Kiel und einem stark creworientierten Format.
- Für den 1. September 2026 ist The Ocean Race Atlantic angekündigt, ein neues Transatlantikrennen von New York City nach Lorient.
- Das Projekt ist auch ein Praxisbeispiel für Nautik, Wetterrouting, Bootsbau, Logistik und maritime Kommunikation.
Wer hinter Team Malizia steht und warum das Projekt mehr als Segelsport ist
Ich halte bei Malizia vor allem die Klarheit des Konzepts für stark: Das Team will nicht nur schnell segeln, sondern jeden Start als Plattform für Leistung, Forschung und Kommunikation nutzen. Seit Jahren läuft das unter dem Leitmotiv A Race We Must Win - ein Satz, der im Rennbetrieb nicht nach PR klingt, sondern nach Arbeitsauftrag. Wer Offshore-Regatten ernst nimmt, merkt schnell, dass hier nicht ein einzelner Star im Mittelpunkt steht, sondern ein belastbares System aus Skipper, Crew, Technik und wissenschaftlicher Begleitung.
Genau das unterscheidet die Mannschaft von vielen Projekten, die nur auf Sichtbarkeit setzen. Bei Malizia sind Crewwechsel, Logistik und Datenerhebung Teil derselben Strategie. Dadurch bekommt die Teilnahme am Ocean Race einen klaren Mehrwert über den Sport hinaus, und das ist die Brücke zur Rennhistorie.
So hat sich die Teilnahme im Ocean Race entwickelt
Die Ocean-Race-Geschichte von Malizia lässt sich am besten als Entwicklung lesen, nicht als Einzelmoment. Die wichtigsten Stationen zeigen, wie das Team von der Weltumsegelung über die Europa-Ausgabe bis zur neuen Atlantik-Regatta gewachsen ist.
| Edition | Format | Was Malizia dort gemacht hat | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|---|
| 2022-23 | Weltumsegelung über 7 Etappen und 9 Stopover, rund 32.000 Seemeilen | Erste große gemeinsame Ocean-Race-Kampagne mit der damaligen Malizia-Seeexplorer-Generation | 3. Platz in der Gesamtwertung, dazu zwei Etappensiege und ein letzter Sieg in Genua |
| 2025 | The Ocean Race Europe, crewed und deutlich kürzer als die Weltumsegelung | Erste Teilnahme an der Europa-Ausgabe, Start in Kiel, also in deutschen Gewässern | Wichtiger Schritt in ein europäisches Crewformat mit hoher taktischer Dichte |
| 2026 | The Ocean Race Atlantic, neues Transatlantikrennen für die IMOCA-Klasse | Erstes Rennen auf dem neuen IMOCA-Boot, Start am 1. September 2026 in New York City, Ziel Lorient | Neustart mit neuer Technik, neuem Streckenprofil und offiziell benannter Crew |
Für mich ist vor allem wichtig, dass sich hier ein roter Faden zeigt: erst die Weltumsegelung, dann die europäische Crew-Regatta, jetzt die neue Atlantikprüfung. Wer diese Entwicklung versteht, liest auch den sportlichen Anspruch deutlich besser ein.
Warum die Regatta für Crew und Material so gnadenlos ist
The Ocean Race ist ein Crewrennen, aber deshalb nicht weniger hart. Im Gegenteil: Weil mehrere Segler gleichzeitig an Bord sind, laufen Manöver, Reparaturen und Taktik parallel, und jeder Fehler wirkt sich sofort auf das ganze System aus. Ein IMOCA ist dabei ein Hochleistungs-Einrümpfer mit Foils und empfindlicher Technik - schneller als viele klassische Offshore-Boote, aber auch deutlich anspruchsvoller im Handling.
Crewarbeit statt Einzelaktion
Die Mannschaft segelt in Wachsystemen, also in Schichten. Schlaf, Ernährung, Segeltrimm und Materialpflege müssen so organisiert sein, dass die Crew auf langen Etappen funktionsfähig bleibt. Wer hier zu früh zu viel riskiert, bezahlt später oft mit Defekten oder Erschöpfung.
Technik unter Dauerlast
Foils, Rigg, Segel, Energieversorgung und Bordelektronik arbeiten im Dauerstress. Foils sind seitliche Tragflächen, die das Boot teilweise aus dem Wasser heben und damit schneller machen. Der Preis dafür ist ein höheres Belastungsniveau, weshalb saubere Wartung und gute Entscheidungen oft wichtiger sind als spektakuläre Einzelerfolge.
Lesen Sie auch: Admiral's Cup - Warum er der ultimative Segel-Test ist
Routing ist keine Nebenrolle
Weather routing bedeutet, die Route mit Wetter-, Wind- und Strömungsdaten so zu planen, dass Geschwindigkeit und Risiko im Gleichgewicht bleiben. Genau hier entstehen oft die großen Unterschiede: Nicht immer gewinnt das Boot mit der höchsten Topspeed, sondern das Team, das die Bedingungen über Tage besser liest und die Manöver präziser fährt.
Ich sehe darin den Kern des Reizes: The Ocean Race ist nicht nur ein sportlicher Test, sondern ein Systemtest für Menschen und Material. Und genau hier wird sichtbar, warum Malizia so viel Wert auf Technik und Vorbereitung legt.
Wie Malizia Segeln, Forschung und Klimadaten verbindet
Die wissenschaftliche Seite ist für Malizia kein Nebenschauplatz, sondern Teil der Markenidentität. Auf dem Boot läuft ein Labor mit, das Ozean-CO2, Temperatur und Salzgehalt misst; die Daten werden mit Forschungspartnern wie dem Max-Planck-Institut für Meteorologie, GEOMAR, dem Alfred-Wegener-Institut und Ifremer genutzt. Für mich ist das einer der stärksten Gründe, warum das Projekt im maritimen Umfeld ernst genommen wird: Hier entsteht aus einem Rennen gleichzeitig ein Datensatz, den die Forschung sonst nur schwer so dicht entlang internationaler Routen bekommt.
Das hat zwei praktische Effekte. Erstens macht es die Regatta für Medien und Publikum greifbarer, weil der Sport mit einem messbaren Nutzen verbunden ist. Zweitens zeigt es jungen Leuten in maritimen Studiengängen, dass moderne Seefahrt längst interdisziplinär ist: Wer in diesem Umfeld arbeitet, braucht nicht nur Segelgefühl, sondern auch Datenverständnis, Systemdenken und Kommunikationsfähigkeit.
Was 2026 im Programm anders wird
2026 bleibt Malizia im Rennmodus, aber mit neuem Schwerpunkt. Besonders wichtig ist The Ocean Race Atlantic: Die neue transatlantische IMOCA-Regatta startet am 1. September 2026 in New York City und führt nach Lorient. Für Team Malizia ist das mehr als ein weiterer Start, weil die Mannschaft dort erstmals mit dem neuen IMOCA-Boot antritt und die Crew mit Boris Herrmann, Cole Brauer, Justine Mettraux, Julien Villion und Onboard-Reporter Gauthier Lebec bereits offiziell feststeht.
Davor stand 2025 The Ocean Race Europe mit Start in Kiel. Diese Ausgabe war kurzformatiger und creworientierter, also weniger Weltumsegelung, aber dafür mit engem Takt, schnellen Hafenwechseln und hoher taktischer Dichte. Gerade das macht den Programmmix spannend: Malizia sammelt Erfahrung in unterschiedlichen Rennformen und baut daraus ein breiteres Offshore-Profil auf.
- Die Atlantikregatta verlangt viel Explosivität auf kürzerer Strecke.
- Die Europa-Regatta schärft Crewarbeit, Hafenroutine und taktische Flexibilität.
- Die Weltumsegelung bleibt der Maßstab für Ausdauer, Robustheit und Fehlervermeidung.
Unterm Strich ist 2026 also kein Zwischenschritt, sondern ein Jahr, in dem das Team seine nächste technische und sportliche Phase vorbereitet. Und genau deshalb lohnt sich der Blick darauf auch jenseits des Sports.
Was Studierende und Nachwuchskräfte aus Malizias Projekt lernen können
Für Studierende und Berufseinsteiger in der maritimen Branche ist Malizia ein gutes Praxisbeispiel, weil hier fast alles zusammenkommt, was auch im Berufsalltag zählt: saubere Planung, verlässliche Technik, schnelle Entscheidungen und gute Kommunikation unter Druck. Wer eine Offshore-Regatta wirklich versteht, erkennt die Schnittstellen zwischen Nautik, Meerestechnik, Meteorologie, Verbundwerkstoffen und Medienarbeit sofort.
- Nautik und Navigation bestimmen Kurswahl, Verkehrssicherheit und Positionsmanagement.
- Wetter- und Datenanalyse entscheiden über Routing, Risiko und Geschwindigkeit.
- Bootsbau und Materialkunde sind zentral, weil Schäden auf See teuer und zeitkritisch sind.
- Logistik und Projektmanagement halten Crew, Ersatzteile und Zeitfenster zusammen.
- Kommunikation und Wissenschaft machen das Projekt für Öffentlichkeit und Forschung sichtbar.
Wenn ich aus diesem Programm ein Fazit ziehe, dann dieses: Malizia ist nicht nur ein erfolgreiches Segelteam, sondern ein sehr gutes Beispiel dafür, wie moderne maritime Leistung aussieht, wenn Sport, Technologie und Verantwortung zusammenspielen. Wer sich für Hochsee, Regatten oder maritime Berufe interessiert, findet hier ein reales Modell statt einer theoretischen Erzählung.