Team Malizia: Mehr als Segeln – Forschung & Karrierechancen

Heinz-Georg Brunner .

27. März 2026

Mann auf Segelboot der Malizia Ocean Race mit Botschaft "A race we must win - Climate Action Now!".
Team Malizia zeigt, wie modernes Hochseesegeln heute funktioniert: nicht nur als Kampf um Etappen, sondern als Verbindung aus Geschwindigkeit, Technik, Teamarbeit und Ozeanforschung. Boris Herrmanns Mannschaft hat sich bei The Ocean Race einen Namen gemacht, weil sie sportlich konkurrenzfähig ist und gleichzeitig Daten aus dem offenen Meer liefert. In diesem Artikel ordne ich die wichtigsten Starts ein, erkläre das Rennformat und zeige, warum das Projekt auch für maritime Studien und Berufe interessant ist.

Die wichtigsten Fakten in Kürze

  • Team Malizia ist die deutsche Offshore-Mannschaft um Boris Herrmann mit klarem Fokus auf Leistungssport, Innovation und Klimabezug.
  • Bei The Ocean Race 2022-23 holte das Team den 3. Platz in der Gesamtwertung und gewann zwei Etappen.
  • 2025 startete Malizia erstmals bei The Ocean Race Europe, mit Beginn in Kiel und einem stark creworientierten Format.
  • Für den 1. September 2026 ist The Ocean Race Atlantic angekündigt, ein neues Transatlantikrennen von New York City nach Lorient.
  • Das Projekt ist auch ein Praxisbeispiel für Nautik, Wetterrouting, Bootsbau, Logistik und maritime Kommunikation.

Wer hinter Team Malizia steht und warum das Projekt mehr als Segelsport ist

Ich halte bei Malizia vor allem die Klarheit des Konzepts für stark: Das Team will nicht nur schnell segeln, sondern jeden Start als Plattform für Leistung, Forschung und Kommunikation nutzen. Seit Jahren läuft das unter dem Leitmotiv A Race We Must Win - ein Satz, der im Rennbetrieb nicht nach PR klingt, sondern nach Arbeitsauftrag. Wer Offshore-Regatten ernst nimmt, merkt schnell, dass hier nicht ein einzelner Star im Mittelpunkt steht, sondern ein belastbares System aus Skipper, Crew, Technik und wissenschaftlicher Begleitung.

Genau das unterscheidet die Mannschaft von vielen Projekten, die nur auf Sichtbarkeit setzen. Bei Malizia sind Crewwechsel, Logistik und Datenerhebung Teil derselben Strategie. Dadurch bekommt die Teilnahme am Ocean Race einen klaren Mehrwert über den Sport hinaus, und das ist die Brücke zur Rennhistorie.

Eine Gruppe von Kindern und Erwachsenen steht auf einem Segelboot, das für die Malizia Ocean Race bereit ist.

So hat sich die Teilnahme im Ocean Race entwickelt

Die Ocean-Race-Geschichte von Malizia lässt sich am besten als Entwicklung lesen, nicht als Einzelmoment. Die wichtigsten Stationen zeigen, wie das Team von der Weltumsegelung über die Europa-Ausgabe bis zur neuen Atlantik-Regatta gewachsen ist.

Edition Format Was Malizia dort gemacht hat Warum es wichtig ist
2022-23 Weltumsegelung über 7 Etappen und 9 Stopover, rund 32.000 Seemeilen Erste große gemeinsame Ocean-Race-Kampagne mit der damaligen Malizia-Seeexplorer-Generation 3. Platz in der Gesamtwertung, dazu zwei Etappensiege und ein letzter Sieg in Genua
2025 The Ocean Race Europe, crewed und deutlich kürzer als die Weltumsegelung Erste Teilnahme an der Europa-Ausgabe, Start in Kiel, also in deutschen Gewässern Wichtiger Schritt in ein europäisches Crewformat mit hoher taktischer Dichte
2026 The Ocean Race Atlantic, neues Transatlantikrennen für die IMOCA-Klasse Erstes Rennen auf dem neuen IMOCA-Boot, Start am 1. September 2026 in New York City, Ziel Lorient Neustart mit neuer Technik, neuem Streckenprofil und offiziell benannter Crew

Für mich ist vor allem wichtig, dass sich hier ein roter Faden zeigt: erst die Weltumsegelung, dann die europäische Crew-Regatta, jetzt die neue Atlantikprüfung. Wer diese Entwicklung versteht, liest auch den sportlichen Anspruch deutlich besser ein.

Warum die Regatta für Crew und Material so gnadenlos ist

The Ocean Race ist ein Crewrennen, aber deshalb nicht weniger hart. Im Gegenteil: Weil mehrere Segler gleichzeitig an Bord sind, laufen Manöver, Reparaturen und Taktik parallel, und jeder Fehler wirkt sich sofort auf das ganze System aus. Ein IMOCA ist dabei ein Hochleistungs-Einrümpfer mit Foils und empfindlicher Technik - schneller als viele klassische Offshore-Boote, aber auch deutlich anspruchsvoller im Handling.

Crewarbeit statt Einzelaktion

Die Mannschaft segelt in Wachsystemen, also in Schichten. Schlaf, Ernährung, Segeltrimm und Materialpflege müssen so organisiert sein, dass die Crew auf langen Etappen funktionsfähig bleibt. Wer hier zu früh zu viel riskiert, bezahlt später oft mit Defekten oder Erschöpfung.

Technik unter Dauerlast

Foils, Rigg, Segel, Energieversorgung und Bordelektronik arbeiten im Dauerstress. Foils sind seitliche Tragflächen, die das Boot teilweise aus dem Wasser heben und damit schneller machen. Der Preis dafür ist ein höheres Belastungsniveau, weshalb saubere Wartung und gute Entscheidungen oft wichtiger sind als spektakuläre Einzelerfolge.

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Routing ist keine Nebenrolle

Weather routing bedeutet, die Route mit Wetter-, Wind- und Strömungsdaten so zu planen, dass Geschwindigkeit und Risiko im Gleichgewicht bleiben. Genau hier entstehen oft die großen Unterschiede: Nicht immer gewinnt das Boot mit der höchsten Topspeed, sondern das Team, das die Bedingungen über Tage besser liest und die Manöver präziser fährt.

Ich sehe darin den Kern des Reizes: The Ocean Race ist nicht nur ein sportlicher Test, sondern ein Systemtest für Menschen und Material. Und genau hier wird sichtbar, warum Malizia so viel Wert auf Technik und Vorbereitung legt.

Wie Malizia Segeln, Forschung und Klimadaten verbindet

Die wissenschaftliche Seite ist für Malizia kein Nebenschauplatz, sondern Teil der Markenidentität. Auf dem Boot läuft ein Labor mit, das Ozean-CO2, Temperatur und Salzgehalt misst; die Daten werden mit Forschungspartnern wie dem Max-Planck-Institut für Meteorologie, GEOMAR, dem Alfred-Wegener-Institut und Ifremer genutzt. Für mich ist das einer der stärksten Gründe, warum das Projekt im maritimen Umfeld ernst genommen wird: Hier entsteht aus einem Rennen gleichzeitig ein Datensatz, den die Forschung sonst nur schwer so dicht entlang internationaler Routen bekommt.

Das hat zwei praktische Effekte. Erstens macht es die Regatta für Medien und Publikum greifbarer, weil der Sport mit einem messbaren Nutzen verbunden ist. Zweitens zeigt es jungen Leuten in maritimen Studiengängen, dass moderne Seefahrt längst interdisziplinär ist: Wer in diesem Umfeld arbeitet, braucht nicht nur Segelgefühl, sondern auch Datenverständnis, Systemdenken und Kommunikationsfähigkeit.

Was 2026 im Programm anders wird

2026 bleibt Malizia im Rennmodus, aber mit neuem Schwerpunkt. Besonders wichtig ist The Ocean Race Atlantic: Die neue transatlantische IMOCA-Regatta startet am 1. September 2026 in New York City und führt nach Lorient. Für Team Malizia ist das mehr als ein weiterer Start, weil die Mannschaft dort erstmals mit dem neuen IMOCA-Boot antritt und die Crew mit Boris Herrmann, Cole Brauer, Justine Mettraux, Julien Villion und Onboard-Reporter Gauthier Lebec bereits offiziell feststeht.

Davor stand 2025 The Ocean Race Europe mit Start in Kiel. Diese Ausgabe war kurzformatiger und creworientierter, also weniger Weltumsegelung, aber dafür mit engem Takt, schnellen Hafenwechseln und hoher taktischer Dichte. Gerade das macht den Programmmix spannend: Malizia sammelt Erfahrung in unterschiedlichen Rennformen und baut daraus ein breiteres Offshore-Profil auf.

  • Die Atlantikregatta verlangt viel Explosivität auf kürzerer Strecke.
  • Die Europa-Regatta schärft Crewarbeit, Hafenroutine und taktische Flexibilität.
  • Die Weltumsegelung bleibt der Maßstab für Ausdauer, Robustheit und Fehlervermeidung.

Unterm Strich ist 2026 also kein Zwischenschritt, sondern ein Jahr, in dem das Team seine nächste technische und sportliche Phase vorbereitet. Und genau deshalb lohnt sich der Blick darauf auch jenseits des Sports.

Was Studierende und Nachwuchskräfte aus Malizias Projekt lernen können

Für Studierende und Berufseinsteiger in der maritimen Branche ist Malizia ein gutes Praxisbeispiel, weil hier fast alles zusammenkommt, was auch im Berufsalltag zählt: saubere Planung, verlässliche Technik, schnelle Entscheidungen und gute Kommunikation unter Druck. Wer eine Offshore-Regatta wirklich versteht, erkennt die Schnittstellen zwischen Nautik, Meerestechnik, Meteorologie, Verbundwerkstoffen und Medienarbeit sofort.

  • Nautik und Navigation bestimmen Kurswahl, Verkehrssicherheit und Positionsmanagement.
  • Wetter- und Datenanalyse entscheiden über Routing, Risiko und Geschwindigkeit.
  • Bootsbau und Materialkunde sind zentral, weil Schäden auf See teuer und zeitkritisch sind.
  • Logistik und Projektmanagement halten Crew, Ersatzteile und Zeitfenster zusammen.
  • Kommunikation und Wissenschaft machen das Projekt für Öffentlichkeit und Forschung sichtbar.

Wenn ich aus diesem Programm ein Fazit ziehe, dann dieses: Malizia ist nicht nur ein erfolgreiches Segelteam, sondern ein sehr gutes Beispiel dafür, wie moderne maritime Leistung aussieht, wenn Sport, Technologie und Verantwortung zusammenspielen. Wer sich für Hochsee, Regatten oder maritime Berufe interessiert, findet hier ein reales Modell statt einer theoretischen Erzählung.

Häufig gestellte Fragen

Team Malizia ist die deutsche Offshore-Mannschaft um Boris Herrmann. Sie kombiniert Hochleistungssegeln mit Ozeanforschung und Klimaschutz, bekannt durch ihre Teilnahme am Ocean Race.
Beim Ocean Race 2022-23 erreichte Team Malizia den 3. Platz in der Gesamtwertung und gewann zwei Etappen. Sie nehmen auch an den europäischen und transatlantischen Ausgaben teil.
An Bord des Bootes befindet sich ein Labor, das Daten zu Ozean-CO2, Temperatur und Salzgehalt sammelt. Diese Daten werden mit Forschungsinstituten geteilt und tragen zur maritimen Forschung bei.
Das Projekt dient als Praxisbeispiel für Nautik, Wetterrouting, Bootsbau, Logistik und maritime Kommunikation. Es zeigt Nachwuchskräften die interdisziplinären Anforderungen moderner Seefahrt auf.

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Autor Heinz-Georg Brunner
Heinz-Georg Brunner
Ich bin Heinz-Georg Brunner und beschäftige mich seit über einem Jahrzehnt intensiv mit den Themen rund um das maritime Studium, Karriere und Innovation. In dieser Zeit habe ich zahlreiche Analysen und Artikel verfasst, die sich mit den neuesten Entwicklungen in der maritimen Branche befassen. Mein Fokus liegt dabei auf der Verbindung von akademischen Erkenntnissen und praktischen Anwendungen, um Studierenden und Fachleuten wertvolle Einblicke zu bieten. Als erfahrener Content Creator und Branchenanalyst habe ich ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen und Chancen, die sich in der maritimen Welt ergeben. Ich strebe danach, komplexe Daten und Trends verständlich zu machen, um eine breite Leserschaft zu erreichen. Mein Ziel ist es, objektive und verlässliche Informationen bereitzustellen, die den Lesern helfen, informierte Entscheidungen in ihrer Karriere zu treffen. Ich bin überzeugt, dass kontinuierliche Innovation und Weiterbildung entscheidend sind, um in der dynamischen maritimen Branche erfolgreich zu sein. Durch meine Arbeit möchte ich dazu beitragen, dass Studierende und Fachleute die notwendigen Ressourcen und Informationen erhalten, um ihre Ziele zu erreichen und die Zukunft der maritimen Industrie aktiv mitzugestalten.

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