Die Rolle von Boris Herrmann im Hochseesegeln versteht man am besten über die Regatten, in denen er startet: The Ocean Race ist kein Einzelkampf, sondern ein Zusammenspiel aus Taktik, Belastbarkeit, Technik und sauberer Teamorganisation. Wer seine Karriere einordnen will, findet hier die sportlichen Ergebnisse, den Unterschied zwischen den Rennformaten und den Grund, warum Team Malizia weit über den reinen Wettbewerb hinaus interessant ist.
Die wichtigsten Punkte zu Herrmanns Ocean-Race-Kampagne
- Boris Herrmann gehört zu den prägenden deutschen Offshore-Seglern und startete mit Team Malizia bei The Ocean Race 2022/23.
- Sein bisher stärkster Auftritt dort endete mit Platz 3 gesamt und zwei Etappensiegen.
- 2025 segelte er erstmals bei The Ocean Race Europe, einem taktisch engen Format mit Start in Kiel.
- Für 2026 ist die neue Atlantikregatta mit frischer IMOCA-Yacht und international gemischter Crew geplant.
- Die Kampagne verbindet Sport, Wetterrouting, Bootstechnik und Ozeanforschung.
Warum The Ocean Race zu Boris Herrmann passt
The Ocean Race passt zu Herrmann, weil sein Profil seit Jahren zwischen Solo- und Crewformaten pendelt. Als erster Deutscher in der Vendée Globe hat er im Einhandsegeln Maßstäbe gesetzt, aber in Teamregatten kommt ein zweiter Kern seiner Arbeit zum Tragen: Entscheidungen unter Druck gemeinsam zu treffen. Genau dort entstehen bei langen Offshore-Rennen die größten Unterschiede - nicht im großen Gestus, sondern in den kleinen, sauberen Abläufen an Bord.
Für mich ist das der eigentliche Reiz an seiner Entwicklung: Herrmann ist nicht nur ein schneller Solo-Skipper, sondern ein Mann für komplexe Rennprojekte. Er bringt Taktik, Datenarbeit und Teamführung zusammen. Wer verstehen will, warum sein Name in der deutschen Segelszene so viel Gewicht hat, sollte deshalb nicht nur auf einzelne Resultate schauen, sondern auf die Struktur dahinter. Das führt direkt zu seiner bisher stärksten Ocean-Race-Teilnahme.
So lief seine bisher stärkste Teilnahme
Sein bisher aussagekräftigster Ocean-Race-Auftritt war die Ausgabe 2022/23. Team Malizia segelte damals mit der neuen Malizia - Seaexplorer von Alicante bis Genua, also über neun Austragungsorte und rund sechs Monate. Am Ende stand Platz 3 in der Gesamtwertung, dazu kamen Siege in Leg 3 und Leg 7. Genau diese Mischung aus Konstanz und Angriffslust macht die Leistung bemerkenswert: nicht nur ein guter Lauf auf einer Etappe, sondern echte Wettbewerbsfähigkeit über die gesamte Distanz.
Aus redaktioneller Sicht ist das der Punkt, an dem Herrmanns Rolle klarer wird: Er ist nicht bloß Mitsegler, sondern derjenige, der ein Team über Monate in einen belastbaren Rennmodus bringt. Das unterscheidet ihn von vielen hervorragenden Einzelseglern und erklärt, warum seine nächsten Starts so genau beobachtet werden. Denn in dieser Liga entscheidet nicht allein Geschwindigkeit, sondern die Fähigkeit, unter Druck stabil zu bleiben.

Wie sich die Formate von 2022 bis 2026 unterscheiden
Die Unterschiede zwischen den Formaten sind für die Einordnung wichtig, denn The Ocean Race ist nicht immer dieselbe Art von Prüfung. 2022/23 dominierte die ganz große Weltumsegelung, 2025 stand die Europatrecke mit vielen kurzen taktischen Passagen im Vordergrund, und 2026 kommt mit der Atlantikregatta ein neues Punkt-zu-Punkt-Format hinzu. Wer nur das Wort „Ocean Race“ hört, übersieht schnell, wie stark sich Belastung, Crewlogik und Renndynamik unterscheiden.
| Ausgabe | Format | Konkrete Eckdaten | Was das für Herrmann bedeutet |
|---|---|---|---|
| 2022/23 | Weltumsegelung mit sieben Etappen | Start in Alicante, Ziel in Genua, neun Städte, rund sechs Monate | Sein erster Ocean-Race-Podiumsplatz mit Team Malizia |
| 2025 | Ocean Race Europe | 4.500 Seemeilen, Start in Kiel, sieben mixed-gender Crews, vier Segler plus Bordreporter | Erster Einsatz im Europa-Format, auf heimischem Boden und taktisch sehr eng |
| 2026 | Ocean Race Atlantic | Neue fully-crewed Atlantikregatta von New York nach Lorient, 50/50-Crewmodell | Erstes Rennen mit der neuen IMOCA-Yacht und Baustein für die nächste Weltumsegelung |
Die technische Klammer dahinter ist die IMOCA-Klasse: Hochleistungs-Einrumpfer mit Foils, also ausklappbaren Flächen, die das Boot teilweise aus dem Wasser heben und den Widerstand senken. Genau deshalb sind diese Rennen nicht nur sportlich, sondern auch ingenieurtechnisch interessant. Für 2026 hat Team Malizia den Plan bereits konkretisiert: Herrmann startet mit Cole Brauer, Justine Mettraux und Julien Villion, ergänzt durch Bordreporter Gauthier Lebec. Diese Mischung aus Erfahrung, Internationalität und klarer Rollenverteilung ist kein Zufall, sondern Teil des modernen Fully-crewed-IMOCA-Ansatzes.
Damit ist klar, wie unterschiedlich die Belastung verteilt ist. Der nächste Blick gehört deshalb nicht dem Kalender, sondern der Frage, was Team Malizia als Projekt eigentlich so besonders macht.
Warum Team Malizia sportlich und wissenschaftlich auffällt
Bei Team Malizia geht es nicht nur um Platzierungen. Das Team fährt seit 2018 die Kampagne „A Race We Must Win“ und verbindet Regattasport mit Ozeanmessungen, Bildungsarbeit und einem sehr klaren Nachhaltigkeitsanspruch. An Bord werden unter anderem CO2-, Temperatur- und Salzgehaltsdaten erfasst; für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, wie modern Hochseesegeln heute funktionieren kann, wenn Sport, Forschung und Kommunikation zusammen gedacht werden.
Wichtig ist dabei auch die Wirkung außerhalb der Regattabahn. Mit Formaten wie My Ocean Challenge und der Zusammenarbeit mit Forschungspartnern macht Malizia aus einem Rennprojekt ein Lern- und Datenprojekt. Gerade für eine deutsche maritime Zielgruppe ist das relevant: Wer sich für Navigation, Schiffstechnik, Wetterrouting oder Ozeanografie interessiert, sieht hier sehr konkrete Berufsfelder und nicht nur ein spektakuläres TV-Bild.
- Navigation und Routing: Entscheidungen werden nicht nach Gefühl, sondern anhand von Wetterfenstern, Strömung und Risiko getroffen.
- Schiffstechnik: Foils, Steuerung, Energiehaushalt und Reparaturfähigkeit sind oft genauso wichtig wie reines Segelkönnen.
- Datenarbeit: Leistungswerte und Ozeandaten werden laufend ausgewertet, damit das Boot schneller und das Projekt wissenschaftlich wertvoller wird.
- Kommunikation: Der Bordreporter und die Teamarbeit an Land zeigen, dass moderne Regatten auch Medien- und Projektarbeit sind.
Genau an dieser Stelle wird aus einer Segelgeschichte eine maritime Karrieregeschichte, und das führt direkt zur Frage, was sich daraus praktisch ableiten lässt.
Was Herrmanns Kurs für die deutsche Hochseeszene sichtbar macht
Für mich ist die eigentliche Nachricht nicht nur, dass Boris Herrmann gewinnt oder podiumsstark segelt. Entscheidend ist, dass er Hochseesegeln in Deutschland sichtbar, technisch nachvollziehbar und für junge Talente anschlussfähig macht. Wer heute in maritime Studiengänge, Offshore-Training oder eine Laufbahn rund um Regattaorganisation, Bootsbau oder Wetterrouting einsteigt, findet in seinem Programm ein ziemlich klares Bild davon, wie professionell die Branche arbeitet.
Der Blick auf 2026 lohnt sich deshalb doppelt: sportlich wegen der neuen Atlantikregatta mit der frischen Malizia-Yacht, und fachlich, weil sich dort wieder zeigt, wie sehr moderne Offshore-Regatten von Teamstruktur, Datenkompetenz und belastbarer Vorbereitung leben. Genau darin liegt der Reiz von Herrmanns Weg: Er fährt nicht nur schnell, sondern macht die Mechanik hinter der Leistung sichtbar.