Die Holcim-PRB-Kampagne ist ein gutes Beispiel dafür, wie professionelles Hochseesegeln heute funktioniert: als Mischung aus Geschwindigkeit, Belastbarkeit, Datenarbeit und klarer Teamorganisation. Ich lese Team Holcim-PRB nicht nur als Sponsoring-Projekt, sondern als sportliches und technisches Lernfeld, in dem man sehr viel über moderne Regatten, Offshore-Logistik und maritime Nachhaltigkeit erfährt. Wer verstehen will, warum dieses Programm in der Szene aufgefallen ist, findet hier die Einordnung zu Boot, Besatzung, Ergebnissen und dem aktuellen Stand im Jahr 2026.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
- Holcim-PRB steht für eine IMOCA-60-Kampagne, die seit dem Start von GO CIRCULAR 2022 auf Offshore-Rennen und Ozeanprojekte ausgerichtet war.
- Der größte sportliche Beleg kam 2023 mit Platz 2 in The Ocean Race, einem crewed round-the-world race.
- Im Vendée Globe 2024/25 erreichte Nicolas Lunven einen starken 6. Platz unter 40 Startern.
- Bei The Ocean Race Europe 2025 holte die Mannschaft nach einem Zwischenfall in Kiel noch Platz 3 insgesamt und den ersten Sustainability Award der Regatta.
- 2026 befindet sich das Programm in einer neuen Phase, weil Holcim als Primärsponsor in der IMOCA-Klasse einen Schritt zurückgetreten ist.
- Für maritime Berufe ist das Projekt spannend, weil es Segeln, Technik, Forschung und Kommunikation in einem realen Einsatzfeld verbindet.
Was hinter der Kampagne steckt
Wenn man die Geschichte dieser Mannschaft verstehen will, muss man zwei Ebenen trennen: die sportliche und die kommunikative. Sportlich ging es um IMOCA-Rennen auf höchstem Niveau, kommunikativ stand GO CIRCULAR für Kreislaufwirtschaft, Ozeanschutz und Sichtbarkeit in einer Disziplin, in der Zuverlässigkeit und Teamarbeit alles sind.
Stand 2026 ist wichtig: Holcim hat sich aus der Rolle des Primärsponsors in der IMOCA-Klasse zurückgezogen und ordnet das Engagement neu. Für mich ist das weniger ein abruptes Ende als ein Übergang von einer klaren Rennkampagne zu einer offeneren Form des Offshore-Engagements.
Gerade deshalb lohnt die Einordnung: Wer heute nach diesem Namen sucht, findet nicht nur ein Ergebnisarchiv, sondern ein Beispiel dafür, wie ein moderner Segelauftritt Markenbotschaft, Forschung und Spitzensport verzahnt. Und genau an dieser Schnittstelle wird es technisch interessant.

Das Boot ist ein 60-Fuß-IMOCA und genau darauf kommt es an
Die Grundlage des Projekts ist ein 60-Fuß-IMOCA, also ein rund 18,28 Meter langes Hochseerennboot der IMOCA-Klasse. Diese Klasse ist bekannt für extreme Belastungen, hohe Geschwindigkeiten und sehr klare technische Regeln. Ich halte sie für eine der ehrlichsten Rennklassen überhaupt, weil dort nicht nur Tempo zählt, sondern auch Robustheit, Energiehaushalt und Fehlerresistenz.
| Merkmal | Warum es wichtig ist |
|---|---|
| 18,28 m Länge | Die Klasse bleibt kompakt genug für Solo- und Crewed-Rennen, ist aber trotzdem gnadenlos belastet. |
| Foils | Sie geben Auftrieb und Tempo, machen das Boot aber sensibler bei Steuerung, Seegang und Materialstress. |
| Carbon-Verbundbauweise | Leicht und steif, aber reparaturkritisch. Kleine Schäden können schnell zu großen Zeitverlusten führen. |
| Energieautonomie | Im Offshore-Segeln zählen Strom, Schlaf und Wartung fast so stark wie die reine Segelleistung. |
Für Leser, die sich für maritime Technik interessieren, ist genau das der Kern: Ein solches Boot ist kein reines „schneller ist besser“-Objekt. Es ist ein System aus Aerodynamik, Hydrodynamik, Materialtechnik und Bordorganisation. Sobald man das versteht, werden auch die späteren Rennergebnisse logisch.
Der nächste Schritt ist deshalb nicht die Frage, wie spektakulär das Boot aussieht, sondern was die Mannschaft unter Realbedingungen daraus gemacht hat.
Diese Regatten haben den Ruf geprägt
Die sportliche Geschichte der Holcim-PRB-Kampagne wird erst dann greifbar, wenn man die Formate sauber trennt. Eine Platzierung in einer crewed Regatta ist nicht direkt mit einem Solo-Nonstop-Rennen vergleichbar. Genau deshalb ist die Bilanz so stark: Sie zeigt Leistung in mehreren Disziplinen des Offshore-Segelsports.
| Regatta | Format | Ergebnis | Warum es zählt |
|---|---|---|---|
| The Ocean Race 2023 | Crewed, rund um die Welt, Etappenrennen | Platz 2 insgesamt | Ein starker Einstieg auf höchstem Niveau, der sofort zeigte, dass das Projekt sportlich ernst zu nehmen ist. |
| Vendée Globe 2024/25 | Solo, nonstop, ohne Hilfe | Platz 6 von 40 für Nicolas Lunven | Ein Beleg für Ausdauer, Bootskontrolle und Selbstmanagement unter maximaler Belastung. |
| The Ocean Race Europe 2025 | Crewed, Etappenrennen durch Europa | Platz 3 insgesamt | Besonders wertvoll, weil das Team nach dem Zwischenfall in Kiel zurückkam und die Serie stark beendete. |
Wichtig ist auch die Besetzung: In der Europe-Runde führte Rosalin Kuiper das Boot, flankiert von erfahrenen Namen wie Nicolas Lunven, Carolijn Brouwer, Franck Cammas und Alan Roberts. Diese Mischung aus Erfahrung, Spezialwissen und klaren Rollen ist kein Zufall, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Offshore-Team über Wochen konstant liefern kann.
Der Zwischenfall beim Start in Kiel zeigt nebenbei etwas sehr Praktisches: In dieser Disziplin entscheidet nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch, wie schnell ein Team reparieren, neu planen und wieder angreifen kann. Genau dort trennt sich Profisegeln von bloßem Wettkampf.
Warum Nachhaltigkeit hier mehr ist als ein Etikett
Die stärkste Seite des Projekts ist für mich nicht das Branding, sondern der reale Mehrwert auf See und an Land. Während der Rennen wurden Wasser- und Luftproben gesammelt, zusätzlich war bei The Ocean Race Europe 2025 wieder ein OceanPack an Bord. Ergänzt wurde das Ganze um eine Drifter-Boje im Golf von Biskaya, die Daten zu Meeresströmungen, Schadstoffverteilung und maritimer Bewegung lieferte.- Wissenschaftliche Daten aus entlegenen Seegebieten helfen bei Klima- und Ozeanforschung.
- Die Regatta wird zum Messfeld, nicht nur zur Bühne.
- Die lokale Wirkung in Kiel war sichtbar: Dort wurde ein künstliches Riff installiert, das rund 20 Meter lang ist und 24 m² Meeresboden abdeckt.
- Das Riff enthält 400 CO2-reduzierte Xstone-Blöcke, bioaktiven Beton und 3D-gedruckte Fischverstecke.
- Die Serie erhielt den ersten Sustainability Award der Regatta, was den Ansatz zusätzlich glaubwürdig macht.
Ich finde diese Kombination überzeugend, weil sie sportliche Sichtbarkeit in konkrete maritime Wirkung übersetzt. Das ist glaubwürdiger als reine Logo-Präsenz, aber es funktioniert nur, wenn die Datenarbeit sauber dokumentiert und die Maßnahmen lokal eingebettet sind. Genau an diesem Punkt wird aus einer Segelkampagne ein echtes maritimes Projekt.
Damit stellt sich automatisch die nächste Frage: Was kann man aus so einem Programm für Ausbildung und Beruf im maritimen Umfeld lernen?
Was man aus dem Projekt für maritime Karrieren mitnimmt
Für Studierende und Berufseinsteiger im maritimen Umfeld ist dieses Projekt spannend, weil hier fast alle relevanten Disziplinen zusammenlaufen. Offshore-Erfolg entsteht nicht durch eine einzelne starke Person, sondern durch das Zusammenspiel von Navigation, Bootstechnik, Wetterkunde, Datenanalyse, Kommunikation und Shore Support.
| Bereich | Was dort zählt | Was man daraus lernt |
|---|---|---|
| Skipper und Navigation | Wetterrouting, Entscheidungen unter Druck, Risikomanagement | Tempo bringt wenig, wenn die taktische Entscheidung nicht stimmt. |
| Bootstechnik und Composites | Strukturkontrolle, Reparaturen, Materialwissen | Ein Carbon-Schaden ist immer auch ein Planungsproblem. |
| Wissenschaft und Sensorik | Proben, Sensoren, Datenqualität, Dokumentation | Eine Regatta kann gleichzeitig Forschung liefern und sportlich funktionieren. |
| Kommunikation | Onboard Reporting, Klarheit, Timing, Öffentlichkeitsarbeit | Moderne Teams brauchen Sichtbarkeit, aber ohne Substanz wirkt Kommunikation schnell leer. |
| Shore Crew und Logistik | Ersatzteile, Refit, Transport, Zeitfenster | Ohne präzises Landteam gibt es keine schnelle Rückkehr ins Rennen. |
Hinzu kommt der Faktor Mensch. In der Zusammenarbeit mit Hatch Systems wurden sogar Daten von 15 Seglern ausgewertet, um körperliche und mentale Belastungen besser zu verstehen. Das ist ein Punkt, den viele unterschätzen: Hochseesegeln ist längst auch Gesundheitsmanagement, Belastungssteuerung und Sicherheitsarbeit.
Gerade deshalb ist diese Kampagne für maritime Studiengänge relevant. Sie zeigt, dass klassische Segelkompetenz heute mit Datenkompetenz, Werkstoffwissen und Teamführung zusammenhängt. Wer in diesem Feld arbeiten will, braucht deutlich mehr als nur gute Seebeine.
Warum dieser Fall für deutsche Segelfans weiter relevant bleibt
Für deutsche Leser ist der Bezug ungewöhnlich direkt: The Ocean Race Europe 2025 startete in Kiel, und genau dort wurde später auch das künstliche Riff installiert. Dadurch wurde aus einer internationalen Offshore-Kampagne ein Thema mit lokalem Ankerpunkt an der Ostsee.
Ich würde das Projekt deshalb als Blaupause lesen. Es zeigt, dass modernes Offshore-Segeln keine isolierte Sportwelt ist, sondern eine Plattform für Technologie, Forschung und nachhaltige maritime Praxis. Wer die Branche versteht, erkennt hier dieselben Muster, die auch in Schiffbau, Hafenwirtschaft und maritimer Forschung wichtig sind: präzise Vorbereitung, belastbare Systeme und Teams, die unter Druck sauber arbeiten.
Wenn man aus dieser Geschichte nur einen praktischen Gedanken mitnimmt, dann diesen: Auf höchstem Niveau gewinnt nicht das lauteste Branding, sondern das robusteste System aus Boot, Menschen, Daten und Vorbereitung. Wer ähnliche Projekte künftig einordnen will, sollte immer nach drei Dingen fragen: Wie belastbar ist das Boot, wie klar sind die Rollen an Bord und welcher messbare Nutzen bleibt für Ozean und Branche übrig? Genau daran erkennt man, ob aus Segeln nur Spektakel wird oder ein ernstzunehmendes maritimes Entwicklungsfeld.