Wenn ein Schiff sinkt - Was jetzt zählt

Fridolin Schulze .

10. Oktober 2026

Ein riesiges Kreuzfahrtschiff liegt stark gekentert im Wasser. Es sieht aus, als ob das schiff sinkt. Rettungsboote und eine Rettungsring sind sichtbar.

Wenn ein Schiff sinkt, entscheiden oft die ersten Minuten über den Ausgang. Besatzung und Passagiere müssen gleichzeitig alarmieren, den Wassereinbruch begrenzen, Rettungsmittel vorbereiten und eine Evakuierung vermeiden, solange sie noch gefährlicher wäre als das Bleiben an Bord. Dieser Beitrag zeigt die wichtigsten Abläufe, die Rolle des Schiffsführers und die rechtlichen Pflichten in deutschen Seegebieten.

Die wichtigsten Entscheidungen müssen ruhig und in der richtigen Reihenfolge fallen

  • Sofort alarmieren: Bei unmittelbarer Lebensgefahr erfolgt ein MAYDAY-Ruf über UKW-Seefunk oder DSC.
  • Wassereinbruch begrenzen: Türen, Luken und Ventile werden nur geschlossen, wenn dies ohne zusätzliche Gefährdung möglich ist.
  • Rettungswesten anlegen: Warme Kleidung, Rettungsweste und gegebenenfalls Überlebensanzug schützen vor Unterkühlung.
  • Schiff verlassen: Das geschieht grundsätzlich auf Anordnung des Schiffsführers, außer ein sofortiger Verbleib wäre lebensgefährlich.
  • Zusammenbleiben: Rettungsinsel, Rettungsboot und Personen im Wasser müssen für die Such- und Rettungskräfte auffindbar bleiben.

Rettungsinsel hängt über dem Wasser, bereit für den Notfall, falls ein Schiff sinkt. Die orange-schwarze Insel ist mit Seilen befestigt.

Was in den ersten Minuten zählt

Ein sinkendes Fahrzeug ist nicht automatisch ein Fall für die sofortige Evakuierung. Solange das Schiff schwimmfähig und kontrollierbar bleibt, bietet es meist den besseren Schutz vor Wellen, Kälte und schlechter Sicht als eine Rettungsinsel. Die zentrale Entscheidung lautet deshalb nicht einfach „an Bord bleiben oder springen“, sondern: Wie schnell verschlechtert sich die Lage, und welche Option lässt sich noch sicher durchführen?

Die Meldung über den Notfall muss sofort an die Brücke, den Schiffsführer oder die verantwortliche Person gehen. Auf größeren Schiffen wird der Alarm nach der Notfallrolle ausgelöst. Passagiere sollten nicht eigenmächtig auf das Oberdeck laufen, sondern sich an die Sammelstation begeben und den Anweisungen der Besatzung folgen.

Wassereinbruch zuerst einordnen

Die Besatzung versucht festzustellen, woher das Wasser kommt, wie schnell es steigt und ob Pumpen, Lenzsysteme oder wasserdichte Abschottungen noch funktionieren. Türen, Luken, Ventile und Schotten können den Schaden begrenzen. Sie dürfen aber nicht geschlossen oder geöffnet werden, wenn sich dadurch Personen einschließen oder unmittelbar gefährden.

Bei einer Kollision, Grundberührung oder einem beschädigten Tank ist zusätzlich auf Feuer, Rauch, Treibstoff und gefährliche Ladung zu achten. Ein Wassereinbruch kann sich mit Schlagseite, Stromausfall oder Verlust der Manövrierfähigkeit verbinden. Gerade diese Kombination macht die Lage unberechenbar und verkürzt die Zeit für eine sichere Evakuierung.

Alarmieren und die Lage stabilisieren

Bei akuter Gefahr für Menschen wird ein MAYDAY abgesetzt. Die Meldung sollte den Namen des Schiffes, das Rufzeichen, die möglichst genaue Position, die Art des Notfalls, die Zahl der Personen an Bord und die benötigte Hilfe enthalten. Danach bleibt die Funkstelle empfangsbereit, damit die Rettungsleitstelle Rückfragen stellen und den Einsatz koordinieren kann.

Ein mögliches Schema ist kurz und klar: „MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY“, Name und Position des Schiffes, „Wassereinbruch mit drohendem Sinken“, Anzahl der Personen, aktuelle Maßnahmen und benötigte Unterstützung. Wenn UKW-Seefunk oder DSC nicht verfügbar ist, kann ein Mobiltelefon ergänzen. Es ersetzt den Seenotfunk jedoch nicht, weil die Reichweite auf See begrenzt ist und andere Schiffe den Notruf nicht automatisch mithören.

Welche Informationen Rettungskräfte brauchen

  • Position als Koordinaten oder anhand von Landmarken, Peilungen und Entfernungen
  • Kurs, Geschwindigkeit und Drift, falls das Schiff noch Fahrt macht
  • Art und Geschwindigkeit des Wassereinbruchs
  • Anzahl der Personen, darunter Kinder oder verletzte Menschen
  • Vorhandene Rettungsboote, Rettungsinseln, EPIRB und SART
  • Gefährliche Ladung, Brand, Ölverlust oder andere besondere Risiken

Parallel zur Alarmierung wird der Schaden begrenzt, soweit das gefahrlos möglich ist. Maschinen können gestoppt, elektrische Anlagen in überfluteten Bereichen abgeschaltet und nicht benötigte Verbraucher vom Netz genommen werden. Ich halte dabei eine Regel für besonders wichtig: Keine Reparaturmaßnahme rechtfertigt einen zusätzlichen Personenschaden.

Rettungsweste, Sammelstation und Evakuierung

Alle Personen ziehen ihre Rettungsweste korrekt an und sichern sie nach Anleitung. Bei kaltem Wasser kommen warme Kleidung und, sofern vorhanden, ein Überlebensanzug hinzu. Die Rettungsweste wird nicht unter dicker Kleidung versteckt, sondern so getragen, dass sie den Körper im Wasser zuverlässig in eine stabile Lage bringt.

Auf Fahrgastschiffen führt die Besatzung die Menschen anhand der Sicherheitskennzeichnung zur Musterstation. Dort wird kontrolliert, wer anwesend ist, welche Rettungsmittel verfügbar sind und ob besondere Hilfe benötigt wird. Die internationale SOLAS-Regelung verlangt für viele Schiffe Notfallrollen, Rettungsmittel, Sammelstellen und regelmäßige Übungen. Für kleinere Sport- und Freizeitfahrzeuge gelten je nach Fahrtgebiet andere Anforderungen, die Verantwortung für die Vorbereitung bleibt aber bestehen.

Wann das Schiff verlassen wird

Der Schiffsführer ordnet das Verlassen des Schiffes an, wenn das Fahrzeug nicht mehr sicher gehalten werden kann oder der Verbleib an Bord gefährlicher wird. Eine Ausnahme besteht bei unmittelbarer Gefahr, etwa einem schnellen Kentern, einer Explosion oder einem unkontrollierten Feuer. Dann müssen Menschen handeln, bevor ein formeller Befehl möglich ist.

Rettungsboote und Rettungsinseln werden möglichst auf der geschützten, weniger tief liegenden Seite ausgesetzt. Abstand zu Propellern, Sogstellen, Leinen und scharfen Kanten ist entscheidend. Wer ins Wasser springen muss, sollte möglichst aus geringer Höhe, mit geschlossenen Beinen und einer Hand an der Rettungsweste springen. Ein Sprung aus großer Höhe kann trotz Rettungsweste schwere Verletzungen verursachen.

Die Rettungsmittel dürfen nicht einfach auseinanderdriften. Personen bleiben zusammen, die Leinen werden nur so eingesetzt, dass niemand darunter gerät, und die Verbindung zur Seenotrettungsleitstelle bleibt bestehen. Eine Rettungsinsel ist kein sicherer Ort ohne weiteres Zutun. Sie muss stabilisiert, sichtbar gemacht und vor Kälte geschützt werden.

Was im Wasser und in der Rettungsinsel zu tun ist

Nach dem Eintauchen ist der erste Schock oft gefährlicher als erwartet. Kaltes Wasser kann innerhalb kurzer Zeit die Atmung beschleunigen und die Orientierung stören. Deshalb sollten Betroffene ruhig bleiben, den Kopf möglichst über Wasser halten und die HELP-Haltung einnehmen, bei der Arme eng am Körper liegen und die Wärme möglichst lange erhalten bleibt.

Schwimmen lohnt sich nur, wenn ein Rettungsmittel oder ein klar erreichbares Ufer sehr nah ist. In offenem Wasser führt unnötiges Schwimmen schnell zu Erschöpfung und Wärmeverlust. Wer bereits in einer Rettungsinsel ist, sollte die Plane schließen, Wasser aus der Insel entfernen, Verletzte versorgen und Leuchtsignale nur gezielt einsetzen.

Sichtbarkeit entscheidet über die Rettung

Rettungswesten, Signalraketen, Signalpfeifen, Radarreflektoren, EPIRB und SART dienen demselben Ziel: die Ortung zu erleichtern. Eine EPIRB sendet im Notfall eine satellitengestützte Notfunkmeldung. Ein SART unterstützt Suchfahrzeuge oder Flugzeuge dabei, eine Rettungsinsel auf dem Radar zu erkennen.

Die Mittel müssen erreichbar und funktionsfähig sein. Deshalb sind Wartung, Batteriekontrolle und regelmäßige Übungen keine Formalität. Die IMO verlangt für viele Schiffe geprüfte Rettungsmittel und dokumentierte Wartung. Genau hier zeigt sich in der Praxis der Unterschied zwischen Ausrüstung, die nur vorhanden ist, und Ausrüstung, die im Ernstfall tatsächlich funktioniert.

Welche Pflichten in Deutschland gelten

Bei Gefahr des Sinkens muss ein Fahrzeug, soweit es noch möglich und vertretbar ist, das Fahrwasser verlassen, damit die übrige Schifffahrt nicht gefährdet wird. Nach der deutschen Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung sind zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter oder Verkehrszentralen unverzüglich zu informieren, wenn ein gesunkenes, treibendes oder manövrierunfähiges Fahrzeug die Sicherheit beeinträchtigt.

Diese Pflicht gilt nicht um jeden Preis. Menschenrettung und unmittelbare Gefahrenabwehr haben Vorrang. Ein schwer beschädigtes Schiff noch aus dem Fahrwasser zu bringen, kann unmöglich oder riskanter sein als das kontrollierte Sichern der Personen und eine schnelle Meldung an die Behörden.

Lesen Sie auch: Maritime Sicherheit - Schutz, Recht & Karriere in Deutschland

Verantwortung des Schiffsführers

Der Schiffsführer muss die Lage bewerten, den Notruf veranlassen, Maßnahmen koordinieren und über die Evakuierung entscheiden. Er muss dabei nicht nur das Sinken, sondern auch Wetter, Wellenhöhe, Wassertemperatur, Verkehr, Entfernung zur Küste und den Zustand der Personen berücksichtigen.

Nach der Rettung folgen Meldungen, Untersuchungen und gegebenenfalls eine Beweissicherung. Dazu gehören Logbuchaufzeichnungen, Funkprotokolle, technische Daten und Angaben zum Unfallhergang. Wer ein Hindernis im Fahrwasser meldet, hilft deshalb nicht nur den Einsatzkräften, sondern verhindert auch Folgeunfälle.

Für die Besatzung kommen zusätzlich arbeits- und schifffahrtsrechtliche Pflichten hinzu. Bei gewerblichen Schiffen sind Sicherheitsmanagement, Übungen und Wartungsnachweise besonders wichtig. Bei privaten Booten wird der organisatorische Aufwand oft unterschätzt, obwohl ein unzureichend gewartetes Funkgerät oder eine falsch gelagerte Rettungsweste die Überlebenschancen deutlich verschlechtern kann.

Typische Fehler mit gefährlichen Folgen

Viele Notfälle eskalieren nicht durch einen einzigen Defekt, sondern durch mehrere kleine Fehlentscheidungen. Häufig wird der Notruf zu spät abgesetzt, weil die Besatzung zunächst noch auf eine Selbsthilfe hofft. Auch eine unklare Positionsangabe kostet Zeit. Früh alarmieren ist kein Eingeständnis des Scheiterns, sondern schafft die wichtigste Reserve im Rettungseinsatz.

  • Rettungswesten werden erst beim Sprung ins Wasser angelegt.
  • Passagiere holen Gepäck und blockieren dadurch Fluchtwege.
  • Menschen verlassen das Schiff ohne Sammelstation oder Anwesenheitskontrolle.
  • Leinen, Netze und lose Gegenstände werden im Wasser unterschätzt.
  • Die Rettungsinsel wird ohne Ausguck und ohne Ortungssignal verlassen.
  • Der Mobilfunk wird als einzige Verbindung zur Rettungsstelle genutzt.

Ein weiterer Fehler ist blinder Gehorsam gegenüber einem veralteten Ablaufplan. Notfallrollen müssen zur tatsächlichen Schiffsbesatzung, zur Ladung und zum Fahrtgebiet passen. Wenn eine Tür, ein Rettungsboot oder ein Funkgerät in der Realität nicht erreichbar ist, hilft ein sauber abgehefteter Plan wenig.

Was nach der Rettung nicht vergessen werden darf

Nach dem Überleben beginnt die medizinische Versorgung. Unterkühlung, Rauchgasvergiftung, Verletzungen und Dehydrierung können auch dann kritisch sein, wenn alle Personen aus dem Wasser gerettet wurden. Betroffene sollten möglichst ruhig gehalten und nicht unnötig bewegt werden, bis die Rettungskräfte die weitere Versorgung übernehmen.

Für die spätere Aufklärung sind genaue Erinnerungen wertvoll. Zeitpunkt des ersten Wassereinbruchs, Alarmsignale, Funkmeldungen, Kursänderungen und die Reihenfolge der Maßnahmen sollten so bald wie möglich dokumentiert werden. Das dient nicht nur der Haftungsfrage, sondern auch der Verbesserung von Ausbildung und Sicherheitsmanagement.

Meine wichtigste Schlussfolgerung lautet deshalb: Sicherheit entsteht nicht erst beim Untergang. Sie beginnt mit einer realistischen Gefährdungsbeurteilung, funktionierender Ausrüstung, klaren Rollen und regelmäßigem Training. Wer diese Grundlagen beherrscht, gewinnt im Notfall genau das, was auf See am knappsten ist: Zeit.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Bei akuter Gefahr für Menschen wird sofort ein MAYDAY-Ruf über UKW-Seefunk oder DSC abgesetzt. Er sollte den Schiffsnamen, das Rufzeichen, die Position, die Art des Notfalls, die Personenzahl und die benötigte Hilfe enthalten.
Solange das Schiff schwimmfähig und kontrollierbar ist, schützt es meist besser vor Wellen, Kälte und schlechter Sicht als eine Rettungsinsel. Das Verlassen wird angeordnet, wenn der Verbleib an Bord gefährlicher wird, etwa bei schnellem Kentern, Explosion oder unkontrolliertem Feuer.
Sie sollten sofort die Rettungsweste korrekt anlegen, warme Kleidung oder einen Überlebensanzug nutzen und sich zur Sammel- oder Musterstation begeben. Dort werden Anwesenheit, Rettungsmittel und besonderer Hilfebedarf kontrolliert; Gepäck darf Fluchtwege nicht blockieren.
Im Wasser sollten Betroffene ruhig bleiben, den Kopf über Wasser halten und möglichst die HELP-Haltung einnehmen. In der Rettungsinsel werden die Plane geschlossen, Wasser entfernt, Verletzte versorgt und Leucht- oder Ortungssignale gezielt eingesetzt. Unnötiges Schwimmen erhöht Erschöpfung und Wärmeverlust.
Wenn es möglich und vertretbar ist, muss das Fahrzeug das Fahrwasser verlassen, damit die übrige Schifffahrt nicht gefährdet wird. Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter oder Verkehrszentralen sind unverzüglich zu informieren, sobald ein gesunkenes, treibendes oder manövrierunfähiges Fahrzeug die Sicherheit beeinträchtigt.
Artikel bewerten

Durchschnitt: 0.0 / 5 · 0 Bewertungen

Tags

seenotrettung rettungswesten mayday rettungsinseln schifffahrtsrecht
Autor Fridolin Schulze
Fridolin Schulze
Mein Name ist Fridolin Schulze und ich bringe 13 Jahre Erfahrung im maritimen Bereich mit. Mein Interesse für die maritime Industrie begann schon in meiner Kindheit, als ich oft an der Küste spielte und die Schiffe beobachtete. Diese Faszination hat mich dazu gebracht, ein Studium in diesem Bereich zu absolvieren und in verschiedenen Positionen innerhalb der Branche zu arbeiten. Ich schreibe über Themen, die sich mit maritimen Studiengängen, Karrierechancen und Innovationen in der Schifffahrt befassen. Dabei lege ich großen Wert darauf, Informationen klar und verständlich aufzubereiten. Ich überprüfe Quellen sorgfältig, vergleiche verschiedene Perspektiven und halte mich über die neuesten Trends auf dem Laufenden. Mein Ziel ist es, nützliche und präzise Inhalte zu liefern, die meinen Lesern helfen, die komplexen Aspekte der maritimen Welt besser zu verstehen.
Kommentare (0)
Kommentar hinzufügen